Brudis ohne Plan

Gestern saß ich in dem kleinen „linken“ Café meiner Uni, weil es um den Campus herum keine schnell erreichbaren Orte gibt, an denen ich freie Stunden zwischen den Vorlesungen verbringen kann. In diesem Café sitzen üblicherweise mehrere Informatik studierende weiße Cis-Typen, die es schaffen in jeden Satz eine cis_sexistische Bemerkung einzufügen. Sie sitzen meistens sehr nah beieinander, schreien sich aber dennoch gegenseitig so laut an, dass ich sie trotz meiner Köpfhörer,  durch die in höchster Lautstärke Gewaltfantasien tönen, in denen dieser Macker-Kartoffelauflauf zusammen mit Fäkalien im Klo runtergespült wird, hören kann. Dude 1 sagt zu Dude 2, wie schlimm es doch wäre 15 Partnerinnen* zu haben, da jede* von ihnen* mit ihren* „Wehwehchen“ zu ihm kommen würde und die Frauen* untereinander wahrscheinlich auch noch Stress hätten. Das war der Moment in dem ich den Raum verließ, da es mir körperlich nicht gut genug ging, um alleine einer Gruppe von ignoranten Typen Realitäts-Schellen zu verpassen.

Lieber Dude 1, abgesehen davon, dass der Durchfall-Anteil deines Kopfes den einer vollgeschissenen Windel übertrifft, wäre ich sehr ungern mit dir befreundet, da du das Konzept von Freund_innenschaft anscheinend nicht verstanden hast.

Seit ein paar Wochen beschäftige ich mich stark damit, die Bilder von Beziehungen und Freund_innenschaften in meinem Kopf zu dekonstruieren. All meine Freund_innenschaften sind Beziehungen und alle Beziehungen, die ich führe, sind Freund_innenschaften. Die Gesellschaft versucht uns einzutrichtern, dass wir keine, beziehungsweise weniger Verantwortungen für Personen übernehmen müssen, mit denen wir keine monogame „Liebes-Beziehung“ führen. Wer zieht jedoch die Grenzen? Was unterscheidet eine Freund_innenschaft von einer Beziehung, die ich führe? Intimitäten wie küssen, kuscheln etc. sollen in Freundschaften nicht praktiziert werden, da sie bereits ausschließlich für sexuelle bzw. „romantische“ Beziehungen reserviert sind. Für mich besteht jedoch keine strikte Grenze. Zuneigungen können, wenn Konsens besteht, an alle gemochten Personen verteilt werden. Monogamie ergibt schon dann keinen Sinn mehr für mich, wenn ich mir eingestehe, dass ich auf all meine Freund_Innen Crushes habe, die unterschiedlich stark sind, jedoch in jedem Fall existieren. Dass ich mich um alle Personen kümmere, denen es nicht gut geht, ist als gute_r Freund_in selbstverständlich.

Viel Erfolg beim Hinterfragen deiner Funktion als Freund und außerdem als Person; wenn es mir das nächste Mal besser geht und du dir wieder so ein Verhalten gönnst, kassierst du ein call out erster Klasse, boy. Bye.

 

 

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